Zer­störer Lütjens

Eineinhalb Jahre als Unteroffizier

2. Quartal 1990 · Hafenroutine

Für mich fing das Quartal damit an, dass ich mich freiwillig, als einziger aus dem Hauptabschnitt 200 (der Heizerei) meldete, um die neu Versetzten in Empfang zu nehmen. Dies machte ich mit noch zwei weiteren Unteroffizieren aus den anderen Hauptabschnitten. Unsere Aufgabe bestand darin, den Neuen die Kaserne zu zeigen - ich meine natürlich den Stützpunkt, wie wir Seefahrer sagen. Auch so wichtige Dinge wie das Mannheim, ich meine natürlich das Mannschaftsheim, oder auch das Steinschiff, auch Landunterkünfte genannt. Einige Einheiten, Schiffe bzw. Boote hatten in Ihrem Heimathafen Unterkünfte für die Mannschaft aus Stein gemauert. Ich als Kieler war Heimschläfer und hatte somit keine Unterkunft im Steinschiff.
Wie bereits auf der Seite zum vorangegangenen Quartal erwähnt war ich jetzt auch für die "allgemeine" Ausbildung der E-Gasten zuständig. Das bedeutete, dass ich den neu Versetzten den Dampfer vom Heck bis zum Bug gezeigt habe. Wenn ein Unteroffizier zuvor noch nicht auf einem DDG gefahren war, musste dieser natürlich die "allgemeine" Ausbildung mit durchlaufen.
Der Vorteil eines E-Mixers besteht darin, dass er überall rein darf, da es so gut wie keinen Raum gibt, in dem nicht irgendwie eine Stromleitung ist. D.h. wir sind auch in die Heiligtümer wie OPZ oder Funkraum gekommen. Die OPZ war für meine Ausbildung ein beliebter Raum, da dieser verdunkelt war. Hier wurde sich dann ein paar Mal um die Achse gedreht und die Neuen mussten mir anschließend sagen was Sie meinen wo Steuer- bzw. Backbord ist. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass ich mit dieser Übung gleich zwei Dinge geprüft habe, Orientierungssinn und was Steuer- bzw. Backbord eigentlich ist. Steuerbord bezeichnet, vom Heck zum Bug in Fahrtrichtung betrachtet, die rechte Seite eines Schiffs. Natürlich hab ich hier auch das Erlernte auf der MUS (Vormachen, Nachmachen, Üben) angewandt, so dass die neu Versetzten mich auf Abfrage zu einem bestimmten Raum führen mussten – erst gemeinsam, später auch alleine. Für die "spezielle" Ausbildung der E-Gasten, die Ausbildung im E-Werk und an den E-Technischen Dingen, wurde dann von der jeweiligen Wache übernommen.

In diesem Quartal gab es eine Seefahrten von 12 Tagen - ISEX (westliche Ostsee und Torpedoschießen im Skagerrak) mit einem Hafenaufenthalt in Kristiansand, Norwegen. Auch war die "Lütjens" Flottenflaggschiff zur Kieler Woche, was naturgemäß mit viel externem Besuch an Bord verbunden war. Ansonsten standen Ausbildung im Hafen sowie die normalen Hafenroutine auf dem Tagesdienstplan. Jeder Abschnitt war damit beschäftigt, seinen Bereich auf Vordermann zu bringen. Diese Zeit wurde auch von einem Großteil der Besatzung für Urlaub genutzt, da auch ein Soldat Anspruch auf Urlaub hat. Dieses Quartal war somit ein eher langweiliges und nicht wirklich spannendes, weshalb ich auch keine Fotos habe.
Die damaligen Unruhen im Nahen Osten waren vermutlich nicht ganz unschuldig an dieser abwartenden Tätigkeit - keiner wusste so genau was kommt. Der zweite Golfkrieg stand vor der Tür, welcher bekanntlich mit der irakischen Invasion in Kuwait im August 1990 begann.

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