Zer­störer Lütjens

Eineinhalb Jahre als Unteroffizier

3. Quartal 1990 · Mittelmeerfahrt 119/90 - Teil I

Neues Quartal und neues Glück. Die Dienstzeit der Altgefahrenen war nun auch für den Letzen zu Ende gegangen, und ich wurde vom EM zum E-Werkstattfahrer ernannt, da ich die meisten DDG-Erfahrungen hatte.

Ich war ab sofort dafür zuständig, dass wir genug Ersatzzeile für den E-Abschnitt an Bord hatten, hatte das Werkzeug unter mir und war i.d.R. erster Ansprechpartner für den E-Meister.
Dies betraf jedoch nicht die Klimaanlage, da wir hierfür extra ausgebildete Unteroffiziere an Bord hatten. Die Ausbildung dieser Klimafahrer fand damals in den USA statt, da das System aus den USA kam.

Jetzt stand erst einmal wieder eine Mittelmeer-AAG an. Unser erster Hafen war Lissabon / Portugal.

In Lissabon gab es, wie bei so vielen vorangegangenen Fahrten auch, Führungen, so dass ich unter anderem zum Hieronymus-Kloster, zum Denkmal Heinrich des Seefahrers und in die Altstadt gekommen bin. Von dort hatte man dann auch einen sehr guten Überblick und konnte in der Ferne die Brücke des 25. April, unter welcher wir bei Einlaufen hindurchgefahren waren, erkennen. Dass ich allerdings heute eine nicht so gute Erinnerung an Lissabon habe, liegt an meinem zweiten Besuch dieser Stadt, welcher jedoch noch etwas auf sich warten ließ.

Bild 11 von 52Interessant für Livorno / Italien, unserem zweiten Hafen, war das Anlegen der Schiffe. Kannte ich bis dato nur längsseits zur Pier bzw. im Päckchenverband, so gab es hier eine neue Variante. Im Päckchen liegen bedeutet übrigens, dass ein Schiff längsseits an der Pier festmacht und das zweite Schiff dann längsseits an dem Ersten. Wollte man nun vom zweiten Schiff aus an Land, so musste man immer erst über das Erste. Die neue Variante war, dass wir mit dem Heck an der Pier angelegt hatten, so dass man über das Achterdeck das Schiff verlassen musste.

In Livorno wurde der internationale Verband NAVOCFORMED zusammen­gestellt. Ich erwähne dies nur, damit nicht der Eindruck entsteht, dass wir nur Holiday-Fahrten unternommen hätten. Auch wenn ich es bei den letzten Reisen nicht mehr erwähnt hatte, so sind doch alle Fahrten Ausbildungsfahrten gewesen. Was bedeutet, dass die unterschiedlichsten Manöver und Gefahrensituationen geübt wurden.

Bild 27 von 52Nach dem wir Livorno erkundet hatten, zog es uns auch ins nahe gelegene Pisa, welches wir ganz einfach mit dem Zug erreichen konnten. Unser Ziel war natürlich erst einmal der "Schiefe Turm", denn wer wusste damals, wie lange der noch stehen würde. Italien wurde, wie kann es anders sein, natürlich auch zum Shoppen genutzt, so dass der ein oder andere sich erst einmal zivil neu eingekleidet hatte.

Wieder einmal sollte unser nächster Hafen ein Urlaubsparadies sein, für dessen Besuch wir wieder bezahlt wurden, während die Mehrheit der Deutschen dafür gerne bezahlte, galt es doch als weiteres deutsches Bundesland - Palma de Mallorca.

Unser Aufenthalt dauerte jedoch etwas länger als geplant, da wir zuvor den uns beim Auslaufen Livorno zugezogenen Kessel­reißer reparieren lassen mussten. Es war in K II passiert, wo in einem Kessel ein Rohr gerissen war. Man kann sich sicherlich vorstellen, dass dies nicht ganz ungefährlich gewesen war, da es sich hier um heißen Wasserdampf handelte, welcher unerwartet mit sehr hohem Druck austrat. Böse Zungen behaupteten, dass ein Offizier, der zu diesem Zeitpunkt im Kesselraum war, so schnell das Weite gesucht haben soll, wie noch nie zuvor ein Offizier flitzen gesehen wurde. Ich kann mir dies natürlich überhaupt nicht vorstellen, da ein Offizier sich sicherlich erst einmal um das Wohl seiner Untergebenen kümmern würde, bevor er als Führungskraft den Raum verlässt.
Bild 33 von 52Die Reparaturen verzögerten sich wegen fehlender Teile, und es mussten Mechaniker aus Deutschland ein­geflogen werden, die sich mit damit auskannten.

So hatten wir also genügend Zeit, um Palma de Mallorca zu erobern, erst die Hauptstadt, dann die ganze Insel. Ich hatte mir mit einem Kameraden ein motorisiertes Zweirad gemietet, mit welchem wir die Insel erkundeten. Und wie das Leben so spielt, sollte ich diesen Gefreiten später wieder treffen. Ich habe nach meiner Dienstzeit mit ihm auf der Techniker-Schule in der gleichen Klasse die Schulbank gedrückt. Wir haben zusammen mit noch drei weiteren Kommilitonen nach der Schule immer die Fächer gepaukt, die uns nicht so lagen.

Selbstverständlich gehörten die ruhigen Buchten im Norden, die belebten Strände im Süden der Insel so wie El Arenal, das deutsche Touristenviertel, zu unseren Ausflugszielen. Abends hatten wir uns dann an Bord immer hübsch gemacht, um die Discowelt von El Arenal zu erforschen.
Bild 49 von 52An einem dieser Nachmittage, als wir zurück an Bord kamen, um uns für den Abend vorzubereiten, wurde ich bereits erwartet. Mir wurde schon an der Wache mitgeteilt, dass meine E-Werkstatt abgebrannt sei, was ich zu diesem Zeitpunkt für einen schlechten Witz hielt. Es war aber kein Witz. Der Strom war ausgefallen, so dass die Notdiesel automatisch ihren Betrieb aufgenommen hatten. Nur öffnete sich die Rauchabzugsklappe des achternen Diesels nicht richtig. Und da das Abgasrohr durch die E-Werkstatt nach draußen führte, wurde dieses so heiß, dass in der Tat einige Sachen einfach weggeschmolzen sind. Aber der Schaden konnte relativ schnell behoben werden, der Rest wurde auf See fertig gestellt.

Dieser Hafen bedeutete jedoch auch für paar Kameraden Abschied von der LUE zu nehmen, da das Quartal sich dem Ende neigte und ein Quartalswechsel für Versetzungen sowie Entlassungen steht. Natürlich bedeutete dies auch, dass wir wie immer zum Quartalsanfang neue Kameraden bekommen. Dieses Mal kamen diese jedoch ein paar Tage früher - ist ja auch ein netter Einstig seinen Dienst auf einer Ferieninsel anzutreten.

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